Ihr Edlen von Schondorf

 


Einstmals, als Adel an Stamm und an Blut noch gebunden, erwählten die hohen und alten Geschlechter ein machtvolles Sinnbild für Rüstung und Banner. Dies Siegel samt Inschrift der Edlen von Schondorf brachten die Fischer im letzten Jahrhundert aus sandigem Seegrund ans jetzige Licht. Wie vormals in ältesten Zeiten, so leuchtet es seither als Wahrer und Walter im Wappenbild unsrer Gemeinde.

Sein Zeichen ziert Ritter und Grafen. Gemeißelt in Sandstein stützt es das hohe Gewölbe des Domes zu Augsburg. In herrliche Tücher gewebt schmückt es noch heute Burgen und Höfe im fernen Gebirge. Sein schönes Gehörn zeigt von Sankt Jakob auf Schätze des Heiligen Berges und weist auf die Klöster und Schlösser im Ammersee rund.

Gewöhnliches Auge erkennt bloß ein lebloses Abbild, sieht Stein nur und Farbe auf Stoff und Papier -ein Pferd ohne Reiter, nichts weiter. Doch zeigt es als wirkliches Wesen dem geistigen Auge und seelischem Sinn sich, denn Weise und Seher und Kinder können im Reich der lebendigen Bilder schauen das Horn.

 



Das Einhorn!
 

Es waren die Kinder, die mitten im fröhlichen Reigen sein Dasein in lichthaften Träumen erkannten. Ein Staunen ergriff sie und öffnete Münder und Herzen. Gemeinsam erwachte ein Sinn. Da kamen noch viele herbei. Der Tagtraum verging, doch hielten die Kinder in starker Gewißheit fest am Erlebten und blieben zusammen.

Von älteren Brüdern wurde sodann am Hügel ein heiliges Buch aufgeschlagen, gewidmet dem EINEN, dem geistigen Einhorn, Geheimnis des Hüters und Herren von Schondorf, so heißt es darinnen:

SIC EST DOMINUS NOSTER
JESUS CHRISTUS
SPIRITUALIS UNICORNIS

In heutiger Zeit läßt Adel sich nur noch durch edle Gesinnung begründen. Dem Wahren, dem Guten, dem Schönen verpflichtet, dem Stirnhorn, der Krone, dem Ring, beschwört uns das Antlitz im Schondorfer Wappen, dem einzigartigen Bildnis und Namen entsprechend, nach echter Gemeinschaft zu suchen.

SO LASSET DIE KINDER ZU IHM KOMMEN!

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Den edlen von Schondorf und Freunden des Einhorns
gewidmet als Gruß zur Jahreswende
1988/89
von L. J. KORN






Die Bilder stammen aus dem Buch von F. Woodie, einer Zeitgenossin, die das Einhorn geschaut und ihre Eindrücke hingemalt und aufgeschrieben hat. Die Fabel erzählt, wie ein Kind von einem Schwarm bedrohlicher Wesen seiner Heimat beraubt wird und in arge Bedrängnis gerät. In seiner Verzweiflung ruft es in der Dunkelheit um Hilfe und wird von dem Einhorn erhört. Furchtlos bietet es dem Mädchen sein Horn und hebt es auf seinen Rücken. So bannt es die schlimme Gefahr und wird in den Fluten ergreifend verwandelt.