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Unterschondorf
Gemeinde Schondorf a. Ammersee
Dr. Andreas Kraus (1966)
B. Müller-Hahl (1981) |

Am
Nordwestende des Ammersees, ehe das Ufer in die nördliche
Verlandungszone aus Schilf und Sumpf übergeht, liegt eine stattliche
Villenkolonie, die sich längs des Ufers hinzieht und hangaufwärts eine
ansehnliche Geschäftsstraße entsendet, überragt von einer romanischen
Kapelle, vom See geformt und ganz dem See zugeordnet.
Das hat früher
jede Entfaltung unterbunden. Der See gab nur wenigen Fischern Nahrung,
die Böden ringsum, naß oder mit dünner Humusschicht über Geröll und
Sand, lieferten nur kargen Ertrag; zudem war die Flur des Dorfes am See
von allen Seiten her beengt durch die Flur der ausgedehnteren Nachbardörfer.
Wirtschaftliches Gedeihen ließ sich unter diesen Umständen nicht
erwarten, doch fast plötzlich änderte sich alles. Noch vor hundert
Jahren war Unterschondorf die ärmste Gemeinde des Landkreises, jetzt
ist ein angesehener Badeort daraus geworden, die ärmliche Geschichte
eines ganzen Jahrtausends ist vergessen.
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Erste Besiedlung
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Wann
die Geschichte der Siedlung am See begann, wissen wir nicht; die ersten
Spuren reichen sehr weit zurück.
Aus der Hallstattzeit (750
- 450
v. Chr.)
stammen vierzehn Hügelgräber im Weingarten; um diese Zeit also war das
Nordufer des Ammersees, war die Unterschondorfer Flur bereits besiedelt.
Die Siedlung brach wohl auch in der nächsten Epoche, der Keltenzeit,
nicht ab. Auch wenn hier keine besonderen Bodenfunde aus der La-Tène-Zeit
gemacht wurden, so läßt doch die Existenz der Viereckschanze zwischen
Utting und Achselschwang vermuten, daß die Gegend ringsum hinreichend
dicht besiedelt war. Solche Anlagen, keine Fliehburgen, sondern religiöse
Mittelpunkte, sind ohne einen umliegenden Kranz von Siedlungen nicht
denkbar.
Um diese Zeit war die Gegend auch bereits, so dürfen wir annehmen, in
das große Netz von Fernstraßen einbezogen, das dann die Römer
systematisch ausgebaut haben.
Die Uttinger Kettenschanze liegt nicht zufällig
an der Römerstraße, die von Augsburg nach Partenkirchen und weiter über
Zirl und den Brenner führte. Als im Jahre 15
v. Chr.
die Römer das Land, das dann Rätien genannt wurde, eroberten, trafen
sie auf eine hoch entwickelte Kultur.
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Römerzeit
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Die Römerherrschaft, die länger als vier Jahrhunderte dauerte,
hat das Land zwischen Lech und Ammersee mit kräftigem Stempel geprägt.
Unmittelbare Zeugnisse der Römerherrschaft freilich selten, abgesehen
von Münzfunden und Spuren der Straßenzüge, doch gerade Unterschondorf
besitzt eines von Bedeutung, die Badeanlage einer römischen Villa auf
dem »Büchelefeld«,
etwa 1500 m
südlich vom Ortskern entfernt.
Ähnlich klar erkennbar ist in Bayern
nur noch eine Anlage bei Pfünz an der Altmühl, doch ist das Bad zu Pfünz
ungleich größer, 36 m
x 24 m,
während die Schondorfer Anlage nur 20 m x 7,5
m
umfaßt. Pfünz war jedoch in der späten Kaiserzeit ein nicht
unbedeutendes Kastell, das Bad auf dem Büchelefeld aber gehörte
wahrscheinlich zu einer abgelegenen »villa rustica«, dem Gutshof eines
römisch-keltischen Grundherrn aus dem 3.
Jh.
n. Chr., der die Schondorfer Hügel für Obstbau nutzte, vielleicht
schon den »Weingarten« erstmals mit italischen Reben bepflanzte. Seine
Kolonnen siedelten vielleicht in Holz- und Lehmhütten auf der Flur
zwischen Utting und Unterschondorf.
Bei dem bisherigen Stand der
Ausgrabungen, die 1924 von
Dr. Heinrich Blendfinger mit Schülern des Landerziehungsheimes
vorgenommen wurden, nachdem schon 1796
der
Mammendorfer Pfarrer F. X. Therer den Akademiesekretär L. v.
Westenrieder auf die Anlage aufmerksam gemacht hatte, sind weitere Schlüsse
nicht möglich.
Die Tuffsteine des römischen Gebäudes sind samt und
sonders in
die Grundmauern
der
Unterschondorfer Häuser eingegangen, jedenfalls sind beim Abbruch
alter Wohnhäuser vielfach schön behauene Tuffquadern zum
Vorschein gekommen - so prosaisch lebte die römische Vergangenheit
weiter.
In den leeren Gebäuden des Gutshofes selbst haben sich die germanischen
Einwanderer nicht niedergelassen, als sie, wohl um die Wende vom fünften
zum sechsten Jahrhundert, auf der Römerstraße von Augsburg her nach Süden
zogen und das bereits kultivierte Land längs der Straße in Besitz
nahmen. Hier entstanden die Ursiedlungen, Utting und Raisting an der
Ammerseestraße, die zahlreichen Orte auf -ing(en) an der nördlichen
Fortsetzung und an der Via Claudia am Lech. Das benachbarte Utting ist
also, wie es nach dieser vielfach beobachteten Regel scheint, die
Siedlung, die sich am Rande der Flur erhob, die durch die Romanen bebaut
worden war.
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| Germanische
Besiedlung |
Ob noch Romanen sitzen
geblieben sind, nachdem gegen Ende des fünften Jahrhunderts von Ravenna
aus, der damaligen Hauptstadt Italiens, der Befehl zur Räumung des
Landes nördlich der Alpen ergangen war, ist ungewiß wie alles, was wir
uns aus jener Zeit zurechtmachen. Sicher dürfen wir jedoch annehmen, daß
schon bald nach der Besiedlung der Flur in der Ebene eine neue
Generation die ansteigende Randzone für die Siedlung erschloß, daß
zwischen 600 und 700 das bäuerliche Schondorf entstand. Ob damals schon
oder erst später auch die Siedlung »am See« gegründet wurde, läßt
sich schwer entscheiden; wie man erst von der Flur in der Ebene Besitz
ergriff, mit guten Böden zumeist, und erst ein Jahrhundert später auf
die Moränenhügel stieg und dort siedelte, so wird man auch innerhalb
der Schondorfer Flur erst die besseren Böden genutzt und frühestens in
der Rodungszeit, seit 800 die mageren Böden am See unter den Pflug
genommen haben. Fischer mag es freilich schon immer gegeben haben;
Bedeutung gewann ihr Gewerbe dann, als man zur Christenzeit den Fisch
als Fastenspeise schätzen lernte. Auf jeden Fall dürfen wir für die
Frühzeit eine Siedlungsgemeinschaft zwischen den beiden Gemeinden
annehmen, die heute den Namen Schondorf tragen.
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Ortsname |
Diese Siedlungsgemeinschaft wurde gewährleistet vor allem durch den
einen Dorfherrn. Es ist wahrscheinlich, daß schon der Name des Ortes
auf den Gründer hinweist, Scondorf, wie die älteste Erwähnung lautet,
läßt sich ableiten von scôni = schön, aber beim späteren Sconendorf
(1150) ist es schon schwieriger, es müßte dann Sconindorf lauten, doch
diese Form kommt viel seltener vor; näher liegt es demnach, an einen
Personennamen Scono zu denken. Da die erste Burg der Dießener Grafen
Sconenberch hieß, die Dießener aber später als die Grundherrn
Schondorfs in Erscheinung treten, insgesamt als die Erben der Huosi, haben
wir guten Grund, einen adeligen Gründer beider Orte namens Scono
(Kurzform von Sconolt) anzunehmen.
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Sühnekreuz an der Straße nach
Utting
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Nachrichten
haben wir von einem solchen Scono nicht. Der erste adelige Herr
Schondorfs, der uns bekannt ist, ist jener Graf Engildeo aus dem
Geschlecht der Huosi, der um 750 seine Güter zu Schondorf und anderwärts
an das Kloster Benediktbeuern schenkte und dort als Mönch eintrat. Während
der Ungarnzeit ging das Kloster zugrunde, der Besitz wurde entfremdet.
Ob die Kirche St. Jakob in Unterschondorf noch auf die ehemalige
Verbindung zu Benediktbeuern hinweist, das ursprünglich ebenfalls St.
Jakob als Patron hatte, ist fraglich. Die romanische Kirche aus Stein,
so müßte man annehmen, habe dann eine Vorgängerin aus Holz gehabt.
Eine Pilgerkirche St. Jakob ist fern von der großen Straße wenig
wahrscheinlich, zumal die nächste Straße nicht nach Santiago de
Compostela, sondern nach Rom führte. Als Kirche des Ortsteils am See,
die in alte Zeit zurückreicht, hat sie eine verständliche Bestimmung. |
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In Stein wird sie ausgeführt, weil sie gleichzeitig die Kirche des
Ortsherrn ist. Ein Konrad, wahrscheinlich der Ahnherr der Herren v.
Schondorf, hat sie gebaut, sein Andenken ist im Dießener Totenbuch rühmend
festgehalten. Mit ihm treten die Herren von Schondorf erstmals ins
Licht, auch wenn Konrad den Beinamen an dieser Stelle noch nicht führt,
sondern um 1150 etwa an anderer; sein Geschlecht war nicht mächtig
genug, um in Schondorf eine Burg zu bauen und vor allem mit Leuten zu
besetzen, es war aber so reich, daß es, wohl in der Nähe des eigenen
Edelsitzes, eine so prächtige Kirche bauen konnte, daß man nicht nur
damals weit reisen mußte, um eine ähnliche Dorfkirche zu finden. Wir
gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß die Ausführung in Stein
- oder auch ein Neubau ohne Vorgänger - einem Gelübde zu danken ist;
die Herren Konrads, Berthold und Poppo v. Dießen-Andechs, waren 1146
zum Kreuzzug aufgebrochen, dem verlustreichsten von allen, und wenn
Konrad seine Herren dabei begleitet hat, hatte er Grund für seinen
Dank, denn fast das ganze deutsche Aufgebot kam um, auch Poppo v.
Andechs.
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Ortsadel |
Nicht nur die Tatsache, daß Konrad gerade in Unterschondorf eine so
bedeutende Kirche baute, nicht oben als Hauptkirche, spricht dafür, daß
sein Sitz am See war, sondern mehr noch seine Herkunft und die
Besitzverhältnisse am Ort. Oberschondorf war, wie die gleichzeitigen
und späteren Schenkungen zeigen, um 1150 im Besitz des Andechser
Grafengeschlechts, je ein halber Hof gehörte um 1300 einer Adelheid von
Pergen und einer Kunigunde von Schondorf-Hechenwang und kam, wie die Höfe
der Andechser Grafen, ebenfalls an das Kloster Dießen. Eigenbesitz war
also, wie unbedeutend auch immer, nur verfügbar in Unterschondorf;
dieser maßte beim Aussterben des Geschlechts an die Erben fallen. Tatsächlich
finden wir um die in Frage kommende Zeit die Greifen von Greifenberg in
Unterschondorf. Namhafter Lebensbesitz lag ebenfalls nicht vor, sonst hätten
die Andechser, 1157 Heinrich v. Wolfratshausen, 1248 Otto von Meranien,
bei ihren Schenkungen an das Chorherrnstift Dießen nicht über fast
ganz Oberschondorf verfügen können.
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Herren von Schondorf |
Großen Besitz in
Schondorf selbst hätten die Herren von Schondorf nur dann aufzuweisen
gehabt, wenn sie ein altes Schondorfer Geschlecht gewesen wären, aber
sie kamen erst mit Konrad, dem vermutlichen Erbauer der Jakobskirche, an
den Sitz, der ihnen fortan den Namen gab. Das 12.
Jahrhundert ist die
Zeit des kraftvollen Landesausbaus durch die großen Geschlechter;
Kaiser, Herzöge und Grafen, Bischöfe und Äbte fassen ihre Besitzungen
zusammen, sichern sie durch Burgen, Städte und Märkte, machen sie
nutzbar durch eine straffe Verwaltung. Zu Diensten standen ihnen dabei
in der Regel Angehörige des unbedeutenden Ortsadels als sog.
Ministerialen oder Dienstleute. Diese Adeligen mochten zwar auf eigenen
Gütern sitzen, sie geboten aber meist nur über wenige Höfe, oft
stiegen sogar tüchtige Vertreter aus unfreiem Stand zu großem Ansehen
auf. Als Dießener Ministeriale kam auch Konrad v. Schondorf, wie er
dann um 1150 hieß, wahrscheinlich durch Graf Heinrich v.
Wolfratshausen, einer Seitenlinie der Dießener, an den Ammersee. Seine
Heimat konnte überall sein, wo die Andechser Besitzungen und
Ministerialen hatten. Enger umgrenzt wird das Gebiet durch die Güter,
die sich dann in der Hand der Schondorfer finden: Farchant, Stubai,
Westerschondorf, Mammendorf, Hausen bei Weilheim, ferner durch die
Besitzungen des Bruders unseres Konrad, Heinrich (I.) v. Schallenkam bei
Wolfratshausen.
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Die Besitzungen Heinrichs treten für uns freilich nicht
schärfer hervor als die der Schondorfer, eben immer nur dann, wenn sie
an irgendein Kloster verschenkt oder vertauscht werden. Konrad starb
wohl schon bald nach 1150 da er beim Testament Heinrichs v.
Wolfratshausen, der 1157 seine Schondorfer Besitzungen Dießen
vermachte, nicht als Zeuge genannt wird, während in Konrads Testament
Heinrich in der Zeugenreihe erscheint. Der nächste Schondorfer, den wir
in den Urkunden finden, heißt Eberhard, meist erscheint er, seit etwa 1180,
zusammen mit seinem Bruder Heinrich (II) von Schallenkam - noch haben wir
jene Stufe vor uns, in der die Bezeichnung des Sitzes noch nicht zum
Familiennamen geworden ist. Wie es scheint, ist Konrad ohne Nachkommen
gestorben, so daß sein Neffe Eberhard, der Sohn wohl des älteren
Heinrich v. Schallenkam (Bezeugungen 1135 bis ca. 1175) die Lehen in der
Grafschaft Andechs übernahm und den Restbesitz der Grafen in Schondorf
verwaltete. Von den Brüdern Eberhards, die um 1190 einmal erwähnt
werden, sind namentlich bekannt Wolfger und Heinrich von Schondorf. Bis
etwa 1240 begegnet der Name Eberhard, dann schweigen die Quellen lange
Zeit, fast für ein
halbes Jahrhundert.
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In dieser Zeit änderten sich die Verhältnisse in Schondorf
grundlegend;
unterrichtet sind wir
darüber, weil jetzt ein neuer Herr nach dem Land zwischen Lech und
Ammersee griff, der Herzog von Bayern.
Aber nicht nur mit der Ursache dafür, dem Aussterben der Andechser,
hingen die Veränderungen in Schondorf zusammen, sondern es starb
vermutlich auch die ältere Line der Schondorfer, die Linie Eberhards
(I.), im Mannesstamm aus. Anders sind die Erscheinungen nicht zu deuten,
die sich jetzt häufen.
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Dießener Besitz |
Da ist zunächst das Testament des letzten
Andechsers, des Herzogs von Meranien und Pfalzgrafen von Burgund, der
1248 , kurz vor seinem Tod, seinen Besitz in Schondorf und das Patronat
der dortigen Kirche dem Kloster Dießen vermacht. Die Ausführung
der Schenkung scheint nun den Greifen übertragen worden zu sein, diese
aber versuchten die Gunst der Lage zu
nutzen und die Güter für sich selbst zu behalten. Jedenfalls berichtet
der Propst von Dießen 1258,
als
Herzog Ludwig d. Strenge von Bayern Dießen die Schenkung von zwei Höfen in Schondorf bestätigte:
»Diese Güter waren den Greifen von Vendawe übergeben worden, ich habe
sie ausgelöst für 36 Pfund Augsburger Pfenige«. Im herzoglichen
Güterverzeichnis von 1280 ist der Sachverhalt ebenfalls festgehalten, am
Schluß folgt dann ein Nachtrag unter der Überschrift »Entfremdete
Güter im Amt Pähl«, in dem erst ein Bericht kommt, den die Greifen zu
ihrer Rechtfertigung gegeben haben, der aber dann schließt: »Die Söhne
des Herrn Grifo haben ohne jedes Recht zwei Höfe in Schondorf und drei
Huben ebendort «. Ein ähnlicher Nachtrag findet sich, später
hinzugesetzt, schon im Güterverzeichnis von 1240.
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Deutlich wird damit, daß von 1248 an keiner der Herren von Schondorf mehr
im Ort selbst für
eine Aufgabe zur Verfügung stand, wie sie die Ausführung des
Testaments des letzten
Andechsers bedeutete. Wäre ferner ein Schondorfer Ortsherr gewesen, hätten
die Greifen
nicht so verwegen zuzupacken vermocht. Das war vermutlich nur möglich,
weil sie inzwischen in Schondorf bereits Fuß gefaßt hatten. Den herzoglichen
Beamten gegenüber gab Grifo an, er und seine Brüder hätten vor langer Zeit die
strittigen drei Huben als Lehen von Otto von Meranien empfangen, doch glaubte man das nicht. Möglich
ist aber, daß Grifo selbst auf dem Erbweg in den Besitz .der mageren Sölden kam, die
die Schondorfer in Schondorf besaßen. Der Erbweg scheint über eine Juta v. Schondorf
zu führen, die im Dießener
Jahrtagsverzeichnis ohne Jahr angeführt ist und der eine 1324
gestorbene
Juta (Gouta) v. Greifenberg entspricht. Wenn Grifo die Schondorfer Erbtochter
geheiratet hat, wird der
Übergang der Ortsherrschaft auf die Greifen verständlich.
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Nachbarschaft Oberschondorf a.
Ammersee
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Die Schondorfer, die noch bis zum Beginn des 15 Jhs. in mehreren Zweigen
blühten, hatten alle im Dorf, dessen Namen sie trugen, weder Besitz noch
Rechte mehr, sie scheinen also von den Brüdern Eberhards (1) abzustammen.
Nur einer begegnet noch in direkter Verbindung mit Schondorf selbst,
Konrad v. Schondorf, der 1285 als
Gemahl einer Kunigunde v. Hechenwang erwähnt wird und 1301
starb.
Er selbst besaß einen Hof zu Hausen bei Weilheim, seine Gemahlin schenkte dem Kloster Dießen eine halbe
Hube zu Schondorf, wohl aus dem Besitz ihrer eigenen Familie, ihrem eigenen Erbgut also.
Sein Sohn Konrad heißt bereits Konrad der Schondorfer v. Hechenwang, der letzte mit
dieser Bezeichnung ist ein Berthold um 1360. Die übrigen Schondorfer,
die Konrad, Otto, Ulrich, Berthold, Stephan, Gottschalk und Rudolf
heißen, begegnen seit 1311
in
vielfältigen Aufgaben als Beamte der Klöster Dießen und Polling,
besonders dann als herzogliche Beamte; die letzten, Otto (1457) und Rudolf (1482) waren Pfleger zu
Pähl, wo ursprünglich
das Amt Weilheim
war.
In der Kirche zu Pähl findet sich der Grabstein des letzten
Schondorfers.
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Mit
dem Aussterben der Andechser und der bisherigen Herren, der älteren
Schondorfer Linie, begann für das Dorf am See ein neuer Abschnitt. Es
wird jetzt deutlich vom Oberdorf unterschieden. Um 1300 lesen wir in den
Landsberger Gerichtsbriefen »Obernschondorf«, 1331 erstmals »Nidernschondorf«,
wie noch ein Jahrhundert später, um 1550 dann »Underschondorf«;
kirchlich ist keine Trennung festzustellen, doch in der Dorfherrschaft
und in der Grundherrschaft. Das hat den Ausschlag gegeben.
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Fischlehen
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Die
wichtigsten grundherrlichen Rechte am See betrafen die Fischerei; was
vorher in den Händen der Grafen von Andechs war, erscheint nach 1248 in
den Händen ihres Haupterben, des Herzogs von Bayern. Tausend Renken und vier Lachse (»Hoffische«) hatten
die Unterschondorfer Fischer dem Herzog jährlich zu liefern.
Mit der Gründung des Chorherrenstifts Andechs 1438 und dessen
Umwandlung in ein Benediktinerkloster 1458 durch die Herzöge Ernst und
Albrecht III. wechselten die Fischlehen erneut den Herrn, das Kloster
Andechs, das sie erhielt, wurde nach und nach zum wichtigsten Grundherrn
in Unterschondorf. Nicht immer können wir die Erwerbungen verfolgen,
vor allem soweit es Wiesenland und Krautgärten betrifft; ein Testament
wie das folgende wurde freilich festgehalten: 1514 schenkte Ehrentrud Büttrich
an Andechs drei Fischlehen und einen Hof zu Oberschondorf. Bis 1671 besaß
Andechs schließlich von den 31 Sölden, die Unterschondorf damals
aufwies, fünfzehn, also fast die Hälfte.
Im wesentlichen änderte sich für das Dorf am See nichts, als im 15.
Jh. wiederholt die Herrschaft wechselte. 1396 war der letzte der Greifen
als Kreuzfahrer nach der Niederlage bei Nikosia von den Türken
hingerichtet worden, sein Erbe war Georg Schwikker v. Gundelfingen, der
1420 das Erbe der Greifen an Elisabeth, die Gemahlin des Herzogs Ernst
von Bayern, verkaufte. 1474 war dann Erhard v. Perfall Burgvogt zu
Greifenberg geworden, 1478 erhielt er eine Verschreibung auf den Besitz,
1507 konnte er ihn von Herzog Wolfgang kaufen. Von jetzt an blieben die
Perfall bis 1848 die Hofmarksherren für Unterschondorf, vor ihrem
Gerichtsstuhl zu Greifenberg holten sich auch die Einwohner am See
Recht.
M. v. Perfall hat auch 1848 die erste Geschichte der beiden
Schondorf geschrieben.
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| Kriegszeiten |
Die großen Katastrophen, die das ganze Land heimsuchten, verschonten
jedoch auch das Dorf am Ammersee nicht. Während des Dreißigjährigen
Krieges, 1628 auf 1629, raffte die Pest fast die Hälfte der Einwohner
hin, 1633 zogen die Schweden den ganzen Ammersee entlang und plünderten
wohl auch in Schondorf, so wie 1704 die Panduren. Von 1796 bis 1809
zogen die Franzosen immer wieder durch Greifenberg, 1945 plünderte die
erste Gaullistische Armee die Dörfer bis zum See.
Bitterer waren
indessen die Kriegsverluste an Menschenleben. Im ersten Weltkrieg sind
35 Männer gefallen, im zweiten 105.
In die Geschichte eines Dorfes greifen friedliche Umwälzungen tiefer
ein. Die Säkularisation 1803 brachte die Aufhebung von Andechs und Dießen
und den Übergang der Grundherrschaft an den bayerischen Staat,
die
Jahre 1809 bis 1811 brachten die Gemeindebildung auf der Grundlage der
neugeschaffenen Steuerdistrikte,
1848 wurden die Hofmarken, damit auch
die Hofmark Greifenberg, aufgehoben und die Gerichtshoheit ganz von den
Landgerichten ausgeübt, auch das bisher der Hofmark verbliebene
Niedergericht.
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1945 wird Hugo Höchtl kommissarisch eingesetzt, 1946 erstmals zum Bürgermeister
gewählt und übte bis 1969 sein Amt aus. Nach mehreren Vorversuchen
seit 1950 stimmten die Bürger und der Gemeinderat für die Vereinigung
von Ober- und Unterschondorf zu einer Gemeinde. Ab 1. 1. 1970 trat dies
in Kraft unter dem neugewählten Bürgermeister
Alois Metzger, Sparkassenfilialleiter Jahrgang 1927.
Bürgermeister Höchtl wurde bei der Amtseinführung des neuen Bürgermeisters
der Gesamtgemeinde von Regierungs-Vizepräsident Dr. Schmitt-Lermann und
Landrat Müller-Hahl nach 25jähriger Bürgermeistertätigkeit feierlich
verabschiedet.
Noch 1870 war der Ammersee wenig bekannt, während der Starnbergersee
schon hundert Jahre zuvor den bayerischen Geschichtsschreiber Lorenz v.
Westenrieder entzückt hatte.
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Landschulheim Unterschondorf a.
Ammersee
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Als aber 1878 die ersten Dampfschiffe
verkehrten, besonders als seit 1898 die Bahn Augsburg mit dem Ammersee
verband, begann der Ansturm der Fremden auch für Unterschondorf. Der
Maler Leibl und der Komponist Pfitzner weilten längere Zeit hier.
Jahrhundertelang besaß der Ort keine Gastwirtschaft, um 1860 hören wir
von der ersten, der Gastwirtschaft Steininger, an der Stelle der
heutigen Postwirtschaft. Seither ist Unterschondorf zum modernen
Fremdenort geworden. |
Verlandung am See
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An
landwirtschaftlicher Nutzfläche hatte Unterschondorf nur 194
ha, der Viehbestand betrug 70 Stück. Das schwache landwirtschaftliche Leistungsvermögen hat
Unterschondorf länger als ein Jahrtausend in bescheidensten Verhältnissen
gehalten, auch die Fischer blieben arm. Die Söldner gingen oft als
Hausierer über Land.
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| Grundherrschaft |
Unter den 40
Wohngebäuden seit der Mitte des 18.
Jhs. befand sich kein einziger größerer Hof, ein Sonderfall im
damaligen Landgericht Landsberg! Es gab nur 24
1/32 ,
14 1/16 Sölden und 2 1/8 -
Bausölden. Davon waren zum Kloster Andechs 17
Anwesen grundbar; 15 gehörten der Gemeinde, 4
zur Hofmark Greifenberg, 2
zur Kirche Hechenwang, je eines dem Kloster Dießen und der Malteser-Commende
Landsberg.
Unter den Fischergeschlechtern des 17.
u. 18.
Jhs. begegnen wir den Namen Schwarz, Lacher und Schöttl am häufigsten;
letztere waren schon im 15.
Jh. hier ansässig. Zwei Namen verdienen besondere Erwähnung: die
Rhein (seit 1652) und Gruber
(seit 750). Beide übten in mehreren Generationen das Kistlerhandwerk aus
und erscheinen in den Kirchenrechnungen der Umgebung immer wieder als
Schöpfer kunstvoller Schreinerarbeiten, von Altären, Kanzeln und Gestühlen.
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| Bevölkerungsbewegung |
Die ständige Bevölkerungszunahme zeigt, daß die Entwicklung noch
nicht abgeschlossen ist. 1770 zählte das Dorf 40
Herdstätten, gegenüber 66 im
Oberdorf, die Einwohnerzahlen verhielten sich etwa 190
zu 330; bis 1900 haben
sich diese Zahlen kaum verändert. Dann entwickelte sich Unterschondorf
sprunghaft aufwärts. 1910 hatte
es 378 Einwohner, 1925
- 623 und
1939
- 707
Einwohner. Das Jahr 1945 brachte, mit der ungeheuren Flüchtlingsnot, den größten
Sprung auf 1317, dann ist die Zahl wieder abgesunken auf 1150.
Ab 1950 wandelte sich
manches Ferienhaus zum ständigen Sitz, viele neue Wohnbauten füllten
manch leeren Garten. Die Zahl der Wohngebäude verdoppelte sich. Neue
Betriebe entstanden, das weithin bekannte Landschulheim (privates
Gymnasium) vergrößerte sich.
Kirche und Schule formen die Menschen mehr als es die wirtschaftlichen
Kräfte können, aber das Ergebnis ihres Einflusses ist wieder schwer zu
bestimmen. Die Volksschule ist seit Jahrhunderten - 1656 wird sie
erstmals greifbar - in Oberschondorf nachgewiesen.
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Romanische Kirche St. Jakob |
Weithin bekannt ist
Unterschondorf auch durch sein kunstgeschichtlich bedeutendes
romanisches Gotteshaus. Die kleine Filialkirche St. Jakob, etwas erhöht
am Seeufer gelegen, ist einer der besterhaltenen romanischen
Sakralbauten des Alpenvorlandes. Sie wurde gegen Mitte des 12.
Jhs. in sauber gefugten Tuffquadern errichtet. An das aus 2
quadratischen Gewölbejochen bestehende Langhaus schließt eine
eingezogene Apsis mit hohem Sockel, Lisenen und Rundbogenfries an. Im
Inneren liegen zwischen den
Jochen Gurtbögen auf rechteckigen Wandpfeilern mit kräftigen Kämpfern
aus Platte, Wulst und Kehle; im Langhaus Kreuzgratgewölbe. In der
Mauerstärke der Nordwand führt ein tonnengewölbter Treppenaufgang zu
einer ehemaligen Empore, von dort aus eine weitere Treppe in der
Westwand zu einem über dem Gewölbe befindlichen Dachraum, der durch 4
schmale Fensteröffnungen beleuchtet wird. Das Patronat des
Pilgerheiligen St. Jakobus könnte auf eine mittelalterliche
Pilgerherberge über dem Kirchenraum schließen lassen, die ehemals
durch eine Einstiegsöffnung in ca. 5
Meter Höhe zu erreichen war. Nach einer bisher unbeachtet
gebliebenen Notiz aus einem Visitationsprotokoll (Ord. Archiv Augsburg)
hatte die Kirche 1657 zwei
Altäre: den Hochaltar und einen zweiten »im oberen Gewölbe«.
Damit gehört der altehrwürdige Bau zum Typ der romanischen
Doppelkapellen, der in Altbaiern nicht selten vorkommt.
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| Kirchengeschichte |
Bei einer Renovierung 1892 wurde an einem Wandpfeiler ein spätromanisches
Gemälde, Maria mit dem Kind, aufgedeckt (inzwischen stark übergangen).
Der prächtige Hochaltar in frühen Barockformen stammt aus dem 3.
Viertel des 17. Jhs. und ist als die beste Schöpfung seiner Zeit im
Landkreis anzusprechen; er darf dem vielbeschäftigten einheimischen
Kistler Simon Rhein zugeschrieben werden. Er enthält als Hauptfigur St.
Jakobus, seitlich auf Konsolen mit Ohrmuschelornamenten St. Katharina
und
St. Markus, gute Arbeiten Weilheimer Herkunft. In der Kirche befand
sich ein höchst bedeutendes romanisches Kruzifix aus der 1. Hälfte des
13. Jhs., das im März 1943 gestohlen und bisher noch nicht wieder aufgefunden wurde. 1977 wurde das Äußere renoviert und der Efeustock an der Apsis
entfernt und die Mauerschäden behoben.
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Die romanische Kirche war nie Pfarrkirche; ob sie jemals von einem
eigenen Priester versehen wurde, läßt sich nicht sagen. Von alters her
scheint sie von der Kirche zu Oberschondorf abhängig gewesen zu sein,
jedenfalls erklärt sich das aus der Urkunde von 1331, in der berichtet wird, daß Hermann v. Pflugdorf für sich und
seine Söhne gegen 55 Pfund
Augsburger Pfennige auf Kirchensatz und Zehnten zu »Obernschondorf, und
zu Nidernschondorf« verzichtete. Ob die Verleihung des Ablasses von 4o
Tagen für die Kirche Schondorf durch den Erzbischof von Salzburg und
seine Suffraganbischöfe 1288 (Salzburger
Urkundenbuch S. 171) die obere oder untere Kirche betraf, muß offen
bleiben.
Unterschondorf besaß noch eine Kapelle, die St. Nikolaus-Kapelle am »Khag«
gegen Eching zu. 1512 war sie
gebaut worden unter dem Einfluß der Nikolausverehrung, die von den
Andechser Reliquien ausging. 1813 wurde
sie niedergerissen, um Steine für den Neubau des Schulhauses zu
liefern. Die Pest-Toten der Jahre 1628
- 1636 liegen hier
begraben.
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Romanisches Kruzifix
(1. Hälfte 13.Jhr.) -
1943 aus St. Jakob gestohlen |
Die einschneidendste Veränderung in Schondorf in kirchlicher
Beziehung fiel in das Jahr 1957 mit
dem Bau der neuen Pfarrkirche Hl. Kreuz in Unterschondorf und der
Verlegung des Pfarrsitzes von der einen Gemeinde zur anderen. Die Kirche
selbst ist ein ruhiger, würdiger Bau, entworfen von Georg Schiener (Gräfelfing).
Das kraftvolle Kruzifix im Chor sowie Plastiken der Muttergottes und des
Hl. Joseph über den Seitenaltären stammen von Hans und Adolf Heinzeller, Oberammergau, der Kreuzweg ist das Werk des Kunstmalers
Ferdinand Kiesslinger, Regensburg.
Diese Kirche mußte Pfarrer May schon
1980
gründlich überholen.
Von den Wiederaufbauleistungen der Gemeinde unter Bürgermeister Höchtl
nach 1945 seien noch erwähnt
die Erweiterung der Seeanlage, die Neuausstattung der Feuerwehr und die
Beteiligung an der Friedhoferweiterung in Oberschondorf. Neue Baugebiete
wurden erschlossen, die Ortsstraßen asphaltiert. Die zentrale
Abwasserbeseitigung ist nach 20 Jahren Bauzeit in allen Ammerseeorten Wirklichkeit geworden.
Der gemeinsame Weg ab 1970
unter
Bürgermeister Metzger (siehe Schondorf) war friedlich und erfolgreich. |
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